Abgase reduzieren? Tempolimit statt Fahrverbot ? Kommunen müssen reagieren!

11.8.2017- Emissionen durch Automobile mit Verbrennungsmotoren werden derzeit heftig diskutiert, ganz besonders durch die Schummelei einiger Hersteller bei den Abgaswerten für Diesel-Pkw. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen: Giftige Abgase produzieren auch Benziner, selbst das Partikel-Problem findet sich dort, gerade bei den modernen Direkteinspritzern. Also Elektromobilität für eine saubere Umwelt? Das erinnert an den alten Witz, dass Strom ja sauber aus der Steckdose kommt – selbst wenn er über Kohlekraftwerke produziert wird. Um es mal deutlich zu sagen: Unsere Stromversorgung wird auf Jahrzehnte hinaus nicht in der Lage sein, umweltfreundlich erzeugte Energie ausreichend und flächendeckend anzubieten, um damit tatsächlich den gesamten Straßenverkehr elektrisch zu betreiben. Zudem weist die Herstellung von E-Autos, vor allem durch die aufwändige Akkuproduktion unter Verwendung seltener Erden, eine äußerst schlechte CO2-Bilanz auf, wie unter anderem eine schwedische Studie belegt. Ein E-Auto muss demnach 8 Jahre unterwegs sein, bevor es unter allen Gesichtspunkten umweltrelevante Vorteile gegenüber Autos mit Verbrennungsmotoren aufweist.

 

Was tun, um Emissionen und deren negative Auswirkungen auf das Klima wirksam zu bekämpfen? Die einfachste Antwort wäre, die individuelle Mobilität drastisch zu reduzieren. Dies kann aus heutiger Sicht sicherlich nur auf freiwilliger Basis in Kombination mit einer geschickten Verkehrsplanung funktionieren: Ausreichend Parkplätze in der Peripherie mit direktem ÖPNV-Anschluss, eine schnelle Taktrate, komfortables und ansprechendes Fahrzeugmaterial. Wie dies funktioniert, zeigt seit Jahren die westfranzösische Stadt Nantes, wo Busse und Bahnen auf eigener Spur kreuzungsfrei im Minutentakt fahren und Tickets in Kombination mit Parkplätzen nur einen (!) Euro kosten. Gleichzeitig hat man Einfahrtsstraßen baulich verändert und durch Parkbuchten eingeengt; dies hat bewirkt, dass der Individualverkehr in Richtung Zentrum und Altstadt erheblich zurückgegangen ist, zum Wohle der Bevölkerung wie auch den Bauten der Altstadt samt Kathedrale. Ein ebenso günstiges und überzeugendes ÖPNV-System installierte die 15-Millionen-Stadt Istanbul, die mit ihrem schnellen Metrobus-System (siehe Foto ganz oben) Randzonen und Zentren verknüpft und somit einen Verkehrskollaps erfolgreich abgewendet hat.

 

Nun sage niemand, dass ÖPNV-Systeme in Deutschland unattraktiv wären. Städte wie Hamburg, Stuttgart, München oder auch Dresden zeigen sehr gut funktionierende Bahn- und Busverkehre, um nur einige Beispiele zu nennen. Doch ein überzeugender Anreiz zum Umsteigen fehlt oft noch. Ob es dann hilft, das mancherorts über die Ampelanlagen – versuchsweise – Staus verursacht werden, um den Autofahrern den Spaß am individuellen Fahren zu verderben? Wohl eher nicht, denn dies geht mit erhöhten Abgaswerten und Ausweichen in Nebenstraßen umher, wie etwa aus Potsdam zu hören war. Viel besser funktioniert ein Tempolimit (30 km/h) mit darauf abgestimmter grüner Welle, wie es Mönchengladbach erfolgreich testet: Auf den betreffenden Straßenabschnitten haben sich die schlechten Abgaswerte zum Guten gewandelt und die EU-Vorgaben werden problemlos eingehalten. Wer schneller unterwegs sein will, kann ja den ÖPNV nutzen...

 

Vernünftige Ideen lassen sich also vergleichsweise günstig umsetzen, auch ohne Fahrverbote. Man muss sich nur wagen, und zwar ohne „Wenn“ und „Aber“. Darüber hinaus wäre jedes Ein-Euro-Ticket – samt Parkplatz und trotz Subventionen – ein überzeugendes Argument zum Umstieg, dabei gleichzeitig eine nachhaltige Investition für eine saubere Zukunft. Letztendlich hat auch die Elektromobilität Zukunft, wie etwa in Bussen, Bahnen, Verteiler- und Kommunalfahrzeugen. Doch in Millionen Pkw mit X-tausenden Ladestationen?                                                                                                                  Jürgen Görgler


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Jürgen Görgler